Im ersten Teil habe ich darauf hingewiesen, wie wichtig die Beziehung von Hund und Halter zueinander ist, wenn das Leben für beide Seiten schön sein soll.

Nehmen wir nun einmal an, die Kommunikation zwischen den beiden funktioniert nun deutlich besser, aber immer noch gibt es Verhaltensweisen des Hundes, die in der Umwelt und beim Halter nicht so gut ankommen.

Das ist dann womöglich erlerntes Verhalten…

Dazu ist es aber gut, zu wissen, dass man alles, was man gelernt hat, auch wieder verlernen kann. „Dekonditionierung“ heißt das im Fachjargon, und es gibt verschiedene Wege des Verlernens. Karen Pryor hat in ihrem Buch „Positiv bestärken – sanft erziehen!“ diese Wege aufgezählt:

Möglichkeit 1:
Erschießen Sie das Subjekt! Der Fehler wird garantiert nie wieder auftreten!

Möglichkeit 2:
Bringen Sie das unerwünschte Verhalten unter Signalkontrolle – und geben Sie dann das Signal nicht…

Möglichkeit 3:
Bringen Sie dem Hund (…Kind, Pferd, Mitarbeiter, Ehegatten…) ein das das unerwünschte Verhalten ausschließendes Alternativverhalten bei!

Möglichkeit 4:
Bestrafen Sie den Hund (Etwas, das jeder gerne tut, trotz der Tatsache, dass es fast nie funktioniert…)

Möglichkeit 5:
Negative Bestätigung. Ein Verhalten, das eine unangenehme Folge hat, wird schnell nicht wieder gezeigt.

Möglichkeit 6:
Auslöschen oder Extinktion. Ein Verhalten, das nicht den gewünschten Erfolg bringt, lohnt nicht und wird daher nicht mehr gezeigt.

Möglichkeit 7:
Die Abwesenheit formen. Dabei bestätigt man alles, was nicht unerwünschtes Verhalten ist…

Möglichkeit 8:
Die Motivation ändern. Das bedeutet, Desensibilisierung oder Gegenkonditionierung.

Ich empfehle dieses Buch wirklich jedem, der seinem Hund auf artgerechte und sanfte Weise führen möchte.

Viele Wege führen also nach Rom, welcher der jeweils beste ist, das hängt dann schon vom zu behandelndem Problem ab. Dass wir Möglichkeit 1 niemals und für kein Problem in Betracht ziehen (und natürlich auch Karen Pryor nicht! 🙂 ), darüber brauche ich sicher kein Wort zu verlieren. Bleiben also noch sieben…

Mit diesen Methoden wollen wir uns in der nächsten Zeit beschäftigen. Anfangen möchte ich mit der wohl effektivsten und nachhaltigsten Methode:

Die Motivation ändern!

Alles, was wir Menschen tun, wird ausgelöst durch ein Gefühl!

Zum Kühlschrank gehen – wahrscheinlich Hunger
Den Müll rausbringen – Ekel
Jacke anziehen – frieren
zur Arbeit gehen – Pflichtbewusstsein oder Angst vorm Chef
diesen Artikel schreiben – Spass dran haben…

Und so könnte man absolut jede Tätigkeit einem zugrundeliegenden Gefühl zuordnen. Und das nicht nur beim Menschen, jedes fühlende Lebewesen handelt so.

Motivation ist ein Antrieb, ein Gefühl, dass uns bestimmte Reaktionen zeigen lässt. Jede Handlung hat also ein Motiv. Will ich das Verhalten ändern, dann muss ich das Gefühl verändern…

Klingt erst einmal gut, aber, wie soll das in der Praxis funktionieren?

Wir schauen uns einfach einmal verschiedene Fallbeispiele an, ich nehme der Einfachheit halber fiktive Fälle. Vielleicht kann ich in den Nächsten Monaten immer einmal wieder ein Beispiel aus dem richtigen Leben beschreiben.

Ein immer wieder beschriebenes Problem ist: „Mein Hund hasst andere Hunde!“

Auch wenn ich nun nicht bis ins kleinste Detail weiß, was genau der Auslöser dafür ist, eines kann ich sicher sagen: Die Aggression und der Alarm, der da gezeigt wird, heißen nicht „ich fühle mich toll, jetzt, wo ich Dich sehe!“, es wird wohl eher ein negatives Gefühl sein, dass den Aggressor da steuert.

Der genaue Ablauf ist also einfach: der Anblick eines anderen Hundes bringt das Gefühlsleben nach negativ und löst so aggressives Verhalten aus. Eine Kettenreaktion…

Um diese Kettenreaktion nach positiv und freundlich zu lenken, ist es nötig, die Motivation, das ursprüngliche Gefühl, zu verändern. Das kann entweder dazu führen, aus einem negativen Reiz einen neutralen Reiz zu machen („der andere interessiert mich gar nicht!“) – Desensibilisierung – oder im vielleicht besten Fall, den Reiz positiv zu belegen. („cool, da ist ein anderer Hund!“) – Gegenkonditionierung.

Bei einem Blindenführhund ist es sicher angebrachter, die Desensibilisierung zu nutzen, die „Der-interessiert-mich-überhaupt-nicht-Methode“, weil ein freudig erregter Labrador seinem Blinden vielleicht doch etwas Schwierigkeiten bereiten könnte! 🙂

Bei Hunden jedoch, die tatsächslich größere Schwierigkeiten mit anderen haben, empfiehlt sich in der Regel die Gegenkonditioniereng.

„Andere Hunde schmecken gut!“ – ganz vereinfacht dargestellt: ich zeige dem Agressor einen anderen Hund auf große Distanz, es wird noch kein schlechtes Gefühl ausgelöst. Er bekommt ein großes Würstchen! Später wird die Distanz schrittweise – schrittchenweise! – immer mehr verringert. Ziel ist es, dass der Hund, wenn er den anderen sieht, sich zu seinem Hundeführer umsieht und das Leuchten in seinen Augen sagt „hast Du gesehen, Herrchen, da ist ein anderer Hund, das ist toll, weil jetzt bekomme ich doch Wurst!“

Der Anblick eines anderen Hundes löst jetzt kein negatives Gefühl wie Angst oder Wut aus, sondern freudige Erwartung!

Alles weitere ist Training – üben, üben, üben…

Ich sehe sie schon vor mir, die alten Hasen in der Hundeausbildung: „Dann tut er das ja nur wegen der Wurst!“ oder, noch schlimmer „Der hat zu gehorchen, wenn ich das will!“ Sorry, aber keiner tut etwas, nur weil ICH das will!

Es wird immer wieder empfohlen, „sich gegen den Hund durchzusetzen!“ , ihm „zu zeigen, wer der Boss ist“ oder sonstige körperliche Gewalt gegenüber dem Hund einzusetzen. Möglichkeit 4, Strafe, die nie funktioniert!

Was wissen wir über den Auslöser? Vielleicht ist es Angst? Wird Angst kleiner, wenn man geschlagen wird? Ist es vertrauensbildend, wenn das eigene Rudelmitglied einem in den Rücken fällt, wenn man sich aus Angst verteidigt? (Das Thema „Territoriales Verhalten“ werde ich am Montag hier genau beschreiben, dann kann man sich vielleicht auch erklären, wie „das Monster an der Leine“ eigentlich entsteht!)

Am Ende kommt dabei heraus, dass der Hund vielleicht vor seinem Besitzer noch mehr Angst hat, als vor dem anderen Hund – will man das denn…???

Ich hoffe einmal, liebe Leser, dass unter Ihnen keiner ist, der seinem Hund gerne weh tut, physisch oder psychisch…

Also, lieber mit einem positv gestimmten Hund unterwegs, als mit einem unterdrückten, beißgehemmten, angsterfüllten Begleiter, der aber spurt…

Logischerweise funktioniert dieser „Stimmungswandel“ nicht nur bei anderen Hunden, sondern bei allen Dingen des täglichen Lebens, die negative Gefühle im Hund auslösen.

Wir hier auf dem Hun’nenhoff helfen Ihnen gerne, wenn Sie derartige Probleme haben. Rufen Sie uns einfach an oder schicken Sie uns eine Email.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Pfingstsonntag und hoffe, wir lesen uns morgen wieder! 🙂

(Ich habe auch auf dieser Seite wieder „gestohlene Bilder“ verwendet, sie alle verweisen mit einem Link auf ihre Ursprungsseite. Sollte der Urheber eines Bildes damit nicht einverstanden sein, bitte melden, ich entferne es dann sofort…)


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