Ein Bericht von Holger Wenkemann

Mitte Mai bis etwa Ende Juni können wir ein unglaublich schönes, schon altes Naturereignis erleben: das Schwärmen der Honigbienen. Wenn die Bienen in ihrer Volkentwicklung auf dem höchsten Stand sind, die Honiglager gut gefüllt, der Raum in der Beute (Bienenkiste) zu eng geworden ist, fangen die Bienen an, eine ganz besondere Zelle zu bauen. Die sogenannte Weisel Zelle. Sie ist extra groß und einer neuen Majestät gerecht. In diese Zelle wird von der alten Königin ein Ei gelegt. Gebettet in Gelee Royal dem Königinnenfutter. Ohne dies würde „nur“ eine einfache Arbeiterinnenbiene daraus werden.

Ist das alles geregelt, das Wetter gut, am besten schwül und heiß, genügt ein großer Teil der Arbeiterinnen (ca. 10.000-20.000 Stück), die alte Königin zu nötigen, den alten Bienenstock zu verlassen. Das ist der Moment, wo mir das Herz aufgeht. Wie aus einer Gießkanne strömen die Bienen in Massen aus dem Ausgang mit Ohren betäubendem Gesumme heraus. Wie eine schwarze Wolke aus Bienen. Angst muss Mensch davor nicht haben. So lieb wie in diesem Moment trifft der Mensch Bienen selten! Das liegt daran, dass die Bienen, bevor sie durchstarten, sich ihre Honigblase mit Honig vollstopfen. Wie wir alle wissen, kämpft es sich mit vollem Magen schlecht. Außerdem sind sie so sehr auf den Schwarm, der sich wie ein Lebewesen bewegt, konzentriert, dass keine Zeit ist für Kampf. Also keine Panik kriegen, falls ihr mal das Glück habt, einem Schwarm zu begegnen. Zurücklehnen und genießen!

Nach kurzem Rundflug landet die Königin in Stocknähe. Dort treffen nach und nach die restlichen Bienen ein und bilden eine Traube. Um die Bienen einzufangen, besprüht ein Imker sie vorsichtig mit Wasser, dadurch werden die Bienen beruhigt. Er schüttelt die Bienentraube aus dem Baum in einen Eimer von dort in die neue Beute. So werden zwei Völker aus dem einen gebildet. Wie wir uns erinnern, wurde in der Weisel Zelle die neue Königin angelegt. Nur wenn die alte Königin das Haus verlassen hat, kann sich die neue Königin aus der Zelle hinauswagen. Falls sie auf die Idee kommen sollte, das vorher zu tun, wäre das ihr Ende, denn es kann nur eine geben. Wir gehen davon aus, dass die neue Königin gut entwickelt ist, sodass sie bald auf den Hochzeitsflug geht. Es gibt Plätze, an denen sich Drohnen, männliche Bienen sammeln. Dort fliegt die Königin hin, um von mehreren Drohnen begattet zu werden. Die Drohnen sterben danach, weil ihr Geschlechtsorgan dabei herausreißt.

Diese Sammelstellen der Drohnen sind natürlich auch ein Garant dafür, dass der Genpool immer schön breit gefächert ist. Nun muss die begattete Königin nur noch heil nach Hause kommen. Sie muss an Fressfeinden wie z.B. Vögeln vorbei. Bis sie diesen Stock frühestens in einem Jahr verlässt, wird sie bis zu 1.500 Eier am Tag legen. Die wenigsten Imker lassen das Schwärmen zu. In Imkerkreisen wird es eher als Versagen des Imkers angesehen. Es gibt da Methoden, in den natürlichen Ablauf einzugreifen. Diese Eingriffe führen meiner Meinung nach zu Krankheiten, die der Imker dann wieder mit Medikamenten behandeln muss. Für mich ist der Schwarmvorgang der natürlichste Garant für gesunde, vitale Bienen – ein Reinigungsprozess. Nicht jedem Imker ist es möglich, z.B. aus zeitlichen oder gesundheitlichen Gründen das Schwärmen zuzulassen. Ich lege meinen Urlaub in die Zeit und behalte meine Bienen im Auge, indem ich auf bestimmte Signale achte. Ich bin auch bereit, in hohe Bäume zu klettern, um sie da wieder rauszuholen.

Fortsetzung mit neuen Themen folgt!

Kategorien: Wissenswertes

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