Es war hier schon das eine oder andere Mal Thema, aber ich glaube, wir müssen es doch noch öfter wiederholen…

Inzwischen haben wir 100 Hunde hier auf dem Hof, damit ist das erlaubte, machbare und zu verantwortende Limit erreicht. Schließlich leisten wir hier TierSCHUTZarbeit, es soll den Tieren besser gehen, als vorher. Das können wir bisher gut gewährleisten, aber noch mehr ginge dann zu Lasten der Tiere!

Benito – 3-Bein mit Herzwurm

Daher KÖNNEN wir keine weiteren Tiere hier aufnehmen!

Inzwischen arbeiten hier 30 fest angestellte Mitarbeiter in der Zeit von 8.00 bis 22.00 Uhr um alle Ansprüche an Fütterung, Sauberkeit der Räume, medizinische Versorgung und Körperpflege, Bewegung und Beschäftigung der Tiere optimal zu gewährleisten. Und diese Mitarbeiter sind alle mindestens voll ausgelastet…

Wir haben inzwischen einen Großteil unserer Wohnräume – nein, eigentlich alle – aufgegeben, um sie den Tieren zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet, dass wir neben der personellen Auslastung auch überhaupt keinen PLATZ mehr haben, um aufgenommene Tiere unterzubringen.

Trotzdem werden wir am Telefon immer wieder angegriffen und beleidigt, wenn wir sagen, dass wir leider kein Tier mehr aufnehmen können!

„Wir kommen ja auch für alle Kosten auf!“ – Nein, tut Ihr nicht! Vielleicht bezahlen die Leute dann Futter und Tierarzt, aber ganz bestimmt nicht die Zeit, die wir für jedes Tier aufwenden, um eben seinen Raum zu putzen, es Gassi zu führen, seinen Gesundheitszustand im Auge zu haben und schon gar nicht die durchwachten Nächte, wenn das Tier alt und krank ist, wie Elpi, wie Molly, wie Jim Knopf (der im Moment alle drei Stunden Futter braucht, auch nachts!) Auch die emotionalen Berg- und Talfahrten, die wir mit jedem unserer Tiere am Ende haben, die Ängste, die wir ausstehen, wenn ein Tier ernsthaft erkrankt, die Traurigkeit und Verzweiflung, wenn alle Hoffnung vergeblich war, wie z.B. bei Krümel…

Und wenn wir dann einen neuen Mitarbeiter einstellen müssten, den würden die Leute dann sicher auch nicht bezahlen wollen, ebensowenig einen eventuellen Anbau, den man machen müsste. Also, es geht nicht in erster Linie um Futter oder Tierarzt für die Aufnahme, sondern um Platz, Betreuung und ganz viel Emotionen!

Elpi

Der beste Satz ist dann immer „Tja, dann müssen wir Max eben einschläfern lassen! (…und Ihr seid Schuld, weil Ihr ihn nicht genommen habt!)“

Ich bin sicher, bei 20% unserer Hunde war das das Totschlagargument! Aber irgendwann zählt auch das nicht mehr, weil alle Kapazitäten ausgeschöpft sind! Wir wollen Tieren helfen, nicht sie verwahren und am Ende mangels Betreuung verwahrlosen lassen! Es gibt genügend Beispiele – zum Glück für mich abschreckende – wo „Gnadenhöfe“ vom Veterinäramt wegen unhaltbarer Zustände geschlossen wurden. Das wird uns nicht passieren!

Darum sagen wir „Nein!“, wenn wir um Aufnahme gebeten werden!

Jim Knopf

Und das werden wir etwa zehn mal pro Woche… Während ich diesen Beitrag schreibe, hatte ich gerade wieder einen Anruf „Wir haben ein riesiges Problem mit unserem Hund und ich wollte fragen, ob Sie nicht ein Plätzchen für ihn haben?“ – zum Glück wurde nicht erst einmal fünf Minuten insistiert und gequengelt, diesmal wurde das Nein einfach akzeptiert.

Und das ist es, worum ich in diesem Beitrag bitten möchte: Nicht, dass man nicht mehr fragt (obwohl das uns das seelisch auch ganz schön entlasten würde!), sondern zu akzeptieren, dass wir nicht aus Hartherzigkeit oder Faulheit die Aufnahme ablehnen, sondern weil wir ganz einfach nicht mehr leisten können, als wir es jetzt bereits tun. Nicht, weil wir Ihrem Hund keinen Platz bei uns gönnen, sondern weil wir aus Verantwortung für die Tiere, die bereits bei uns sind, unsere – begrenzten – Ressourcen für diese optimal einsetzen müssen.

Molly
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4 Kommentare

Dirk Seidel · 16. Mai 2022 um 1:16 pm

Ich finde eure Arbeit toll und wir unterstützen euch sehr gerne ab und zu, aber wenn es zu viel wird ist das vollkommen richtig. Drücke euch die Daumen ganz fest!

Ulrike Witt · 17. Mai 2022 um 3:02 pm

Toll geschrieben der Artikel und ich hoffe sehr das es hilft 🙏
Eigentlich sollte doch jeder Hundebesitzer seinen Hund bis zum Ende selbst begleiten wenn nicht gerade etwas ganz schreckliches passiert ( Tod, oder Krankheit der Besitzer)

Elke · 19. Mai 2022 um 8:47 pm

Auch ich musste ein „Nein!“ von euch hinnehmen. Habe in meiner völlig aufgelösten Verfassung sogar auch das „Todschlagargument“ gebracht. Das tut mir nicht leid, weil es vor gut einem Jahr für mich so war. Ich habe mich nach einem Jahr vergeblicher Lösungs-Findung hilfesuchend an den Hun’nenhoff gewandt. Dem Himmel, Tom Bode und weiteren tierlieben Menschen sei Dank, für Arco wurde eine gute Lösung gefunden. Ich bin so unendlich froh, dass trotz der vielen begrenzten Kapazitäten die Liebe zu den Tieren so stark ist, dass Resourcen eingesetzt wurden ein weiteres Leben zu retten. DANKE! Wünsche euch weiterhin die notwendige Kraft, dieses Herzensprojekt im von euch gewünschten Sinn weiterzuführen.
Unendlich dankbare, ehrführchtige und respektvolle Grüße auf den wundervollen Hof mit all den fantastischen, großherzigen, tierliebenden und hilfreichen Menschen dort und drumherum.

Elke Husemann

Dr. Frank Richter · 7. Juni 2022 um 1:05 pm

Wir hatten unser Leben lang Hunde, seit unserem letzten Hund der für uns bis heute extrem prägend war und der seit 2010 immer noch schmerzlich vermisst wird, fehlt es uns durch Umzug und geänderter Berufstätigkeit leider an Zeit für ein neues Familienmitglied.
Jedoch rückt dieser Zeitpunkt immer näher, gerne dann auch zwei Hunde. Haus mit Garten und viel Platz dazu noch ruhig gelegen ist vorhanden.
Noch nie konnte ich verstehen wie man sich ein Tier „anschafft“ um später zu merken das man nicht klarkommt. Zu 100% liegt da das Problem beim Menschen.

Danke für eure Arbeit und euer Engagement.

VG Frank

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